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Selbstwirksamkeit aus dem 3D-Drucker
Der lange Weg zum passenden Hilfsmittel
Pflegende Eltern kennen das: Von dem Moment, in dem klar ist „Wir brauchen ein Hilfsmittel“, bis zu dem Punkt „Wir haben es endlich“, vergehen Monate. Oft sogar ein halbes Jahr oder länger. So war es auch bei uns.
Als ich das erste Mal von adaptiertem Spielzeug, Powerlink und Tastern gehört habe, war ich sofort begeistert. Die Idee, dass unsere schwer beeinträchtigte Tochter selbst etwas auslösen kann – ein Spielzeug bedienen, eine Lampe anmachen – hat mich sofort gepackt. Eine tolle Möglichkeit für Selbstwirksamkeit. Ich wollte das sofort für sie.
Die Ernüchterung kam schnell: Wer stellt die Verordnung aus? Wo bekommt man solche Hilfsmittel überhaupt her? Wie lange dauert das alles? Letztendlich hat es tatsächlich über ein halbes Jahr gedauert. Etliche Gespräche, E-Mails, Termine und Anrufe waren nötig, mit Logopädin, SPZ, UK-Anbieter und Krankenkasse.
Also haben wir es selbst gebaut
Zum Glück hatte mein Partner direkt am Anfang die Idee: „Einen Taster können wir doch auch selbst machen.“
Zwei Wochen später war er fertig: Ein funktionierender Taster. Ein Gehäuse aus dem 3D-Drucker, ein Schalter, ein Kabel – und plötzlich konnte unsere Tochter selbst einen tanzenden Koala und eine leuchtende Palme anmachen. Zum ersten Mal hatte sie die Möglichkeit, direkt etwas in ihrer Umgebung auszulösen. Nicht wir für sie, sondern sie selbst.
Zugegeben: Den Taster selbst zu bauen erfordert elektronisches Verständnis, etwas handwerkliches Geschick und entweder ein passendes 3D-Modell oder das Wissen, ein Modell anzupassen. Einen Powerlink nachzubauen, ist dann nochmal eine ganz andere Hausnummer. Vielleicht erstelle ich dazu irgendwann eine Anleitung.
Kleine Lösungen, großer Unterschied
Nichtsdestotrotz: Wer Hilfsmittel aus dem 3D-Drucker noch nicht auf dem Schirm hat, sollte unbedingt einmal eine der gängigen Plattformen durchstöbern. Zum Beispiel BeyondBenchy, dort lassen sich Modelle gezielt nach „Assistive“ filtern. Oder man startet im eigenen Alltag: Gibt es ein nerviges Problem, das sich vielleicht mit einem gedruckten Teil lösen lässt?
Zum Beispiel:
– Befestigungen für Lieblingsspielzeug oder Ich-Buch am Rollstuhl
– eine Trinkhilfe für das Fläschchen
– Greifhilfen für Besteck, Zahnbürsten oder Stifte
– eine Kabelführung für das Sauerstoffgerät und den Monitor
Oder eben ein Taster, der Selbstwirksamkeit ermöglicht. Oft sind es genau diese kleinen Lösungen, die einen großen Unterschied machen.
